Die schönsten Klöster Armeniens: die zehn, die sich wirklich lohnen

Noravank Monastery and the red cliffs of the Amaghu gorge at sunset, Armenia

Die schönsten Klöster Armeniens stehen nicht in einer Stadt beieinander, sondern am Ende von Schluchten, auf Felsvorsprüngen und über Bergpässen. Der Weg dorthin gehört dazu. Tatev, Geghard, Noravank, Haghpat, Sanahin, Sewanawank, Khor Virap, Etschmiadsin, Goschawank und Amberd decken siebzehn Jahrhunderte Baugeschichte ab. Hier steht, welches sich für wen lohnt.

Wir fahren diese Strecken seit Jahren mit Gästen, die mit der Erwartung ankommen, ein paar alte Kirchen zu sehen, und mit dem Eindruck abreisen, verstanden zu haben, wie ein kleines Land seine Identität in Stein bewahrt hat. Was folgt, ist ehrlich sortiert: was eine lange Anfahrt rechtfertigt, was man bei knapper Zeit streichen kann und wie sich alles zu echten Routen fügt.

KlosterGegründetFahrzeit ab JerewanWarum hinfahren
Geghard4. Jh., Hauptkirche 121545 Min.In den Fels gehauene Kirchen, UNESCO
Garni und Asat-SchluchtTempel 1. Jh. n. Chr.40 Min.Römischer Tempel, Basaltorgel
Khor Virap7. Jh., Kapelle 166245 Min.Ararat zum Greifen nah, Grubenverlies
Etschmiadsin301 bis 303 n. Chr.30 Min.Mutterkirche der Armenier, UNESCO
Sewanawank874 n. Chr.1 Std. 15Sewansee von einer Landzunge auf 1.900 m
Goschawankab 11882 Std.Waldlage, feinster Kreuzstein des Landes
Haghpat und Sanahin10. Jahrhundert3 Std.Die großen Anlagen in Lori, UNESCO seit 1996
Noravank13. bis 14. Jahrhundert2 Std.Rote Felsen, zweigeschossige Kirche von Momik
Tatev895 bis 906 n. Chr.4 Std. oder SeilbahnWorotan-Schlucht, längste Pendelseilbahn der Welt
AmberdKirche 1026, Burg älter1 Std. 15Burg und Kirche auf 2.300 m am Aragaz

Warum armenische Klöster anders wirken

Wer romanische Klöster wie Maulbronn oder Alpirsbach im Kopf hat, merkt den Unterschied sofort. Armenische Kirchen sind innen klein und außen gewaltig. Gebaut wurde aus dunklem Tuff und Basalt, über dem Vierungsquadrat sitzt eine Kuppel mit kegelförmigem Dach, und geschmückt wird fast nur das Portal, der Tambour und die Chatschkare, jene Kreuzsteine, die rund um jede Anlage stehen wie ein steinernes Archiv.

Der zweite Unterschied: Das sind fast nie Ruinen mit Kassenhäuschen. Die meisten sind lebendige Kirchen. Eine Familie zündet Kerzen für ein Neugeborenes an, ein Priester singt allein in einer Seitenkapelle, eine Hochzeitsgesellschaft fährt in drei Autos vor. Nichts davon ist inszeniert. Armenien hat das Christentum 301 als Staatsreligion angenommen, und diese Bauten sind der ununterbrochene physische Beleg dafür.

Der Eintritt ist fast überall frei. Das klingt nebensächlich, macht bei einer zweiwöchigen Reise aber leicht 100 Euro Unterschied gegenüber einem vergleichbaren Kulturprogramm in Italien. Ihr Geld geht hier in die Fahrt, nicht in Tickets.

Geghard: das Kloster im Berg

Geghard ist das Kloster, zu dem wir Gäste zuerst schicken. Die Hauptkirche Katoghike entstand 1215 unter den Fürsten der Sakarjaniden, das Außergewöhnliche sind jedoch die Räume, die direkt aus dem massiven Fels herausgeschlagen wurden: eine Quelle, die im Inneren des Berges weiterläuft, und eine obere Kapelle, erreichbar über eine ebenfalls aus dem Fels gearbeitete Treppe. Die Akustik im Gawit ist so gut, dass dort fast täglich armenische A-cappella-Sänger auftreten. Ein einziger gehaltener Ton füllt den ganzen Raum.

Der Name kommt von geghard, der Lanze, die Christus in die Seite gestoßen worden sein soll und die hier jahrhundertelang aufbewahrt wurde. Heute liegt sie in der Schatzkammer von Etschmiadsin. Kloster und oberes Asat-Tal stehen seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Anlage liegt 40 Minuten von der Stadt entfernt und lässt sich mit Garni zu einem halben Tag verbinden. Deshalb ist unsere Halbtagestour Garni und Geghard das meistgebuchte Angebot. Alle Details stehen in unserem Guide zu Garni und Geghard.

Stone carvings on the facade of Katoghike church at Geghard Monastery, Armenia
Steinmetzarbeiten im Inneren des Klosters Geghard, direkt aus dem Fels gehauen

Tatev: das eine Kloster, für das ein ganzer Tag draufgeht

Tatev wurde zwischen 895 und 906 gegründet und war im 14. Jahrhundert eine Universität mit mehreren hundert Gelehrten. Es steht auf einem Felssporn über der Worotan-Schlucht in Sjunik, ganz im Süden, und war die meiste Zeit seiner Geschichte schlicht schwer erreichbar. Seit Oktober 2010 überquert die Seilbahn Wings of Tatev die Schlucht in rund zwölf Minuten auf etwa 5,7 Kilometern Länge, laut Guinness-Buch die längste Pendelseilbahn der Welt.

Die Hin- und Rückfahrt kostet 2026 grob 15 bis 22 Euro, der Betreiber passt die Preise saisonal an, prüfen Sie das also vorher. Von Jerewan sind es rund vier Stunden Fahrt, planen Sie also eine Übernachtung oder einen sehr langen Tag ein. Mehr dazu in unserem Guide zu Kloster Tatev und der Seilbahn, entspannter geht es mit der zweitägigen Tatev-Tour.

Noravank: rote Felsen und eine Treppe ohne Geländer

Noravank liegt am Ende einer engen roten Felsschlucht in Wajoz Dsor, und die Zufahrt ist mindestens so eindrucksvoll wie die Ankunft. Die Kirche Surb Astwazazin von 1339 stammt von Momik, der Architekt, Bildhauer und Buchmaler in einer Person war. Zur oberen Kapelle führen auskragende Steinstufen, die direkt aus der Fassade herausragen, etwa zwanzig Zentimeter breit, ohne jeden Handlauf. Geklettert wird trotzdem. Kommen Sie am späten Nachmittag, wenn die Felsen rostrot werden und der Tuff der Kirche zu leuchten beginnt.

Von Jerewan sind es anderthalb bis zwei Stunden, und gleich nebenan liegen die Weindörfer um Areni. Mehr dazu im Guide zu Noravank und der Weinregion Areni.

Khor Virap: der Ararat direkt dahinter

Khor Virap ist nicht das schönste Bauwerk dieser Liste, und das muss es auch nicht sein. Es steht auf einem niedrigen Hügel in der Araratebene, und dahinter füllt der Ararat mit 5.137 Metern den gesamten Himmel. Der Berg liegt heute in der Türkei, die Grenze verläuft wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt. Hier saß Gregor der Erleuchter dreizehn Jahre in einer Grube, bevor er König Trdat III. heilte und das Königreich bekehrte. In das etwa sechs Meter tiefe Verlies führt eine Metallleiter hinab, wenn Sie nicht klaustrophobisch sind.

Fahren Sie früh. Im Sommer schluckt der Dunst den Berg meist schon gegen Mittag komplett. Unser Guide zu Khor Virap und dem Ararat erklärt die besten Fotozeiten und die Kombination mit Areni und Noravank an einem Tag.

Etschmiadsin: die Mutterkirche

Wagharschapat, meist Etschmiadsin genannt, ist Sitz des Katholikos und beherbergt die nach verbreiteter Ansicht älteste Kathedrale der Welt, gegründet zwischen 301 und 303. Nach einer langen statischen Sanierung ist sie wieder geöffnet, in der Schatzkammer liegen unter anderem die Lanze aus Geghard und ein Holzfragment, das der Arche Noah zugeschrieben wird. Architektonisch klarer als die Kathedrale selbst sind die Kirchen Surb Hripsime von 618 und Surb Gajane von 630, die zur selben UNESCO-Eintragung gehören, zusammen mit der Ruine von Swartnoz. 30 Minuten ab Jerewan, gut mit dem Flughafentransfer zu verbinden.

Haghpat und Sanahin: das Paar in Lori

Die beiden Anlagen aus dem 10. Jahrhundert liegen wenige Kilometer auseinander in der Nordprovinz Lori, hoch über der Debed-Schlucht, und wurden 1996 gemeinsam als Welterbe eingetragen. Haghpat wurde 976 unter Königin Chosrowanusch gegründet. Der Name Sanahin wird meist mit “dieses ist älter als jenes” übersetzt, was einiges über die lokale Rivalität verrät. Sanahin hat ein überdachtes Skriptorium und einen Akademiesaal, Haghpat die bessere Lage und einen freistehenden Glockenturm.

Drei Stunden nördlich von Jerewan, also kein Tagesausflug, sondern Teil einer Nordarmenien-Route mit Übernachtung in Dilidschan oder Alawerdi.

Sewanawank, Goschawank und Amberd

Sewanawank

Gegründet 874 von Fürstin Mariam, Tochter von König Aschot I., damals auf einer Insel im Sewansee. Durch die sowjetische Wasserentnahme sank der Seespiegel um rund zwanzig Meter, aus der Insel wurde eine Halbinsel, und heute steigt man eine Treppe hinauf statt mit dem Boot anzulegen. Zwei dunkle Kirchen, sehr viel Himmel, stahlfarbenes Wasser auf 1.900 Metern. Gut zu kombinieren mit Dilidschan, siehe Tagesausflüge ab Jerewan und den Sewansee-Reiseführer.

Goschawank

In einem Dorf oberhalb von Dilidschan, ab 1188 gegründet vom Gelehrten und Juristen Mchitar Gosch, der hier das erste armenische Gesetzbuch schrieb. Der eigentliche Grund für den Besuch ist ein einzelnes Objekt: der Chatschkar des Meisters Poghos von 1291, so fein gearbeitet, dass der Stein wie Klöppelspitze wirkt. Fotografen stehen zwanzig Minuten vor dieser einen Platte.

Amberd

Streng genommen kein Kloster, sondern eine Burg mit der angebauten Wahramaschen-Kirche von 1026, auf etwa 2.300 Metern am Südhang des Aragaz. Die Straße ist meist von Ende Mai bis Oktober offen und den Rest des Jahres verschneit. Bei klarer Sicht liegt Ihnen die gesamte Araratebene zu Füßen. Interessant für alle, die sich fürs Wandern in Armenien interessieren.

Sevanavank Monastery on the peninsula above the blue water of Lake Sevan, Armenia
Das Kloster Sewanawank über dem Sewansee auf 1.900 Metern Höhe

Sinnvolle Kombinationen, ohne den Urlaub im Auto zu verbringen

  • Halber Tag: Garni und Geghard, vier bis fünf Stunden ab Hotel.
  • Ein Tag Süden: Khor Virap, ein Weingut in Areni, Noravank. Rund neun Stunden und der beste Einzeltag des Landes.
  • Ein Tag Nordosten: Sewanawank, Dilidschan, Goschawank und Haghartsin, etwa neun Stunden.
  • Zwei Tage tiefer Süden: Jerewan nach Tatev mit Übernachtung in Goris oder im Dorf Tatev, zurück durch Wajoz Dsor.
  • Zwei Tage Norden: Haghpat, Sanahin, Odsun und Achtala, Übernachtung in Dilidschan oder Alawerdi.

Eine Woche reicht für alle zehn in Ruhe, ungefähr so ist unsere klassische Sieben-Tage-Tour aufgebaut.

Wir sind ein kleiner Veranstalter aus Jerewan und fahren mit Einzelreisenden und kleinen Gruppen, klein genug, um anzuhalten, wenn das Licht stimmt. Schauen Sie sich unsere Touren an und schreiben Sie uns, was Sie sehen wollen.

Praktisches vor der Abfahrt

Anreise. Direktflüge gibt es ab Frankfurt, München und Wien, saisonal auch ab Berlin, dazu Umsteigeverbindungen über Warschau, Istanbul oder Doha. Rechnen Sie mit vier bis fünf Stunden Flugzeit direkt. Die meisten Maschinen landen mitten in der Nacht, das ist in Jerewan normal, und Taxis stehen bereit.

Kleidung. Bedeckte Schultern und Knie sind höflich. Niemand weist Sie an der Tür ab, aber Sie stehen in einer genutzten Kirche. Ein Kopftuch ist nicht nötig.

Schuhe. Die Steinböden sind blank gelaufen und oft feucht, die Zuwege in Amberd, Noravank und Tatev grob. Turnschuhe sind das Minimum.

Fotografieren. Fast überall erlaubt, auch innen. Keine Menschen im Gebet fotografieren, und bei Taufe oder Beerdigung die Kamera ganz weglegen.

Bargeld. Nehmen Sie kleine Scheine in Dram mit. Die Stände vor Geghard, Noravank und Sewanawank verkaufen Trockenfrüchte, Gata und Sudschuch, und keiner davon nimmt Karten.

Beste Reisezeit

Ende April bis Mitte Juni ist das beste Fenster. Die Schluchten sind grün, die Pässe nach Amberd und Tatev offen, das Licht klar. September und Oktober sind fast ebenso gut, mit Weinlese rund um Noravank und dem Weinfest in Areni Anfang Oktober. Juli und August sind in der Araratebene heiß und für Bergblicke diesig, Lori und Dilidschan bleiben dagegen angenehm.

Der Winter ist unterschätzt, wenn Sie die Einschränkungen akzeptieren. Amberd ist geschlossen, die Südstraße nach Tatev kann nach starkem Schneefall für einen Tag gesperrt sein. Aber Geghard mit Schnee auf den Felsen und fast ohne Besucher bleibt länger im Kopf als jeder Sommerbesuch. Mehr dazu unter beste Reisezeit für Armenien.

Wenn es nur drei sein dürfen

Geghard für die Steinmetzkunst, Noravank für die Lage, Tatev für die Dimension. Und Khor Virap dazu, sobald der Wetterbericht einen klaren Morgen verspricht, denn der Ararat hinter diesem kleinen Hügel ist das Bild, das die meisten aus Armenien mit nach Hause nehmen.

Häufig gestellte Fragen

Welches Kloster in Armenien sollte man sehen, wenn die Zeit knapp ist?

Geghard. Die in den Fels geschlagenen Kirchen gibt es in dieser Form nirgendwo sonst, und das Kloster liegt nur rund 40 Kilometer von Jerewan entfernt. Zusammen mit dem Tempel von Garni ergibt das einen halben Tag. Wer einen ganzen Tag hat und Dramatik sucht, fährt stattdessen nach Tatev und nimmt die Seilbahn über die Worotan-Schlucht.

Kostet der Eintritt in armenische Klöster etwas?

In aller Regel nicht. Geghard, Noravank, Tatev, Khor Virap, Haghpat und Sanahin sind aktive Kirchen und keine Museen, es gibt keine Kasse. Ausnahmen sind der Tempel von Garni als staatliche Ausgrabungsstätte und die Seilbahn nach Tatev, die separat bezahlt wird.

Wie viele armenische Klöster gehören zum UNESCO-Welterbe?

Drei Einträge betreffen Klosteranlagen. Haghpat und Sanahin wurden 1996 aufgenommen, Geghard mit dem oberen Asat-Tal im Jahr 2000, ebenso die Kathedrale und die Kirchen von Etschmiadsin samt der Ruine von Swartnoz. Tatev und Noravank stehen bisher nur auf der Vorschlagsliste.

Wie kommt man von Deutschland aus am besten nach Armenien?

Es gibt Direktflüge ab Frankfurt, München und Wien nach Jerewan, dazu je nach Saison Verbindungen ab Berlin und über Warschau, Istanbul oder Doha. Die reine Flugzeit ab Süddeutschland liegt bei rund vier bis fünf Stunden, Umsteigeverbindungen dauern sieben bis zehn. Die meisten Flüge landen nachts, das gehört hier dazu.

Welche Kleidung ist in armenischen Kirchen angemessen?

Deutlich entspannter als in Italien oder Griechenland. Bedeckte Schultern und Knie sind höflich, ein Kopftuch ist für Frauen nicht vorgeschrieben, bei einem Gottesdienst aber gern gesehen. Wichtiger als alles andere sind feste Schuhe, denn die Steinböden sind glatt und die Zuwege oft uneben.