Die Weinregion Areni und das Kloster Noravank liegen im selben Tal in Südarmenien, rund zwei Autostunden von Jerewan entfernt, und ergeben zusammen den schönsten Tagesausflug des Landes. Ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert in einer Schlucht aus rostrotem Fels, die Höhle mit der ältesten Weinkellerei der Welt und ein Tal voller kleiner Weingüter, die eine Rebsorte ausbauen, die sonst nirgends wächst.
| Auf einen Blick | |
|---|---|
| Entfernung ab Jerewan | Etwa 120 km, zwei bis zweieinhalb Stunden |
| Region | Vayots Dzor, Südarmenien |
| Noravank | 13. bis 14. Jahrhundert, Hauptkirche 1339 vollendet |
| Areni-1 | Älteste bekannte Weinkellerei der Welt, rund 6.100 Jahre alt |
| Höhenlage der Weinberge | Etwa 1.000 bis 1.600 Meter |
| Beste Monate | Mai und Juni, dann Ende September bis Oktober zur Lese |
| Kosten Tagesausflug | Ungefähr 45 bis 90 Euro pro Person im Jahr 2026, je nach Gruppengröße |
Warum Noravank alle verstummen lässt
Die Anfahrt macht die halbe Arbeit. Kurz hinter dem Dorf Areni verlassen Sie die Fernstraße und fahren acht Kilometer in die Amaghu-Schlucht hinein. Die Wände rücken zusammen, der Fels nimmt ein fast unwirkliches Orangerot an, und vom Kloster ist lange nichts zu sehen. Dann öffnet sich die Schlucht zu einem flachen Kessel, und dort stehen zwei Kirchen in genau der Farbe der Felsen dahinter, als wären sie aus dem Hang gewachsen.
Armenische Klöster wurden aus guten Gründen versteckt und verteidigungsfähig gebaut, und Noravank ist die reinste Form dieser Idee. Der Name bedeutet schlicht neues Kloster, was es im 13. Jahrhundert auch war. Es wurde zur Grablege der Fürstenfamilie Orbelian, die diesen Landstrich beherrschte, und deren Geld bezahlte die Steinmetzarbeit, für die Noravank heute berühmt ist.

Momik, der Baumeister
Fast alles Sehenswerte hier stammt von einer einzigen Person: Momik, Architekt, Bildhauer und Buchmaler, der im frühen 14. Jahrhundert in Vayots Dzor arbeitete. Er entwarf die Kirche Surb Astvatsatsin, vollendet 1339, im selben Jahr starb er. Sein Grabstein liegt wenige Schritte davon entfernt.
Ungewöhnlich an seiner Arbeit ist, wie persönlich sie wirkt. Über dem westlichen Portal sitzt Gottvater mit mandelförmigen Augen und langem Bart, die Hand zum Segen erhoben, daneben der gekreuzigte Christus und eine Taube. Menschliche Figuren in dieser Größe sind in der armenischen Bauplastik selten, und die Gesichter haben etwas von einem Porträt. Achten Sie auch auf die thronende Muttergottes über dem unteren Portal und auf Widder und Löwe am Tambour.
Und dann die Treppe. Zur oberen Kapelle führen schmale Steinplatten, die frei aus der Fassade herausragen, ohne Geländer, ohne Unterbau, etwa 25 Zentimeter tief. Viele steigen hinauf, deutlich weniger genießen den Abstieg. Wer schwindelfrei ist, sollte es machen. Wer zweifelt oder nassen Stein vorfindet, schaut von unten zu und verpasst nichts Wesentliches.
Die zweite Kirche
Surb Karapet, die ältere Kirche, hat einen Gawit, jene breite Vorhalle, die armenische Klöster als Versammlungsraum nutzen. Der Boden besteht aus den Grabplatten der Orbelian-Fürsten. Innen ist es kühl und dunkel, und wenn gerade gesungen wird, ist die Akustik unvergesslich. Mehr zu dieser Bauform in unserem Überblick über die schönsten Klöster Armeniens.
Areni-1: die älteste Weinkellerei der Welt
Zurück im Haupttal liegt am Felsen eine Höhle, die die Weinarchäologie verändert hat. Bei Grabungen zwischen 2007 und 2010 kamen eine Lehmkelterfläche, ein Auffangbecken, Gärgefäße, Traubenkerne, Pressrückstände und Rebreste zutage. Die Datierung liegt bei etwa 4100 vor Christus, also rund 6.100 Jahre, und damit ist es die älteste bekannte Weinproduktionsstätte überhaupt.
Aus demselben Höhlenkomplex stammt ein 5.500 Jahre alter Lederschuh, noch weich, noch geschnürt, heute im Historischen Museum Armeniens in Jerewan. Die Höhle selbst ist kein durchgestyltes Museum: nackter Fels, ein paar Tafeln, gelegentlich ein örtlicher Führer. Was bleibt, ist der Zusammenhang. Die Reben draußen am Hang gehören zu einer Tradition, die seit sechs Jahrtausenden nicht abgerissen ist.
Areni und die Weingüter von Vayots Dzor
Areni ist ein Arbeitsdorf mit etwa 1.500 Einwohnern, und die gleichnamige Rebsorte ist Armeniens wichtigste rote: Areni Noir. Dünnhäutig, hell im Glas, säurebetont, mit Sauerkirsche, Wacholder und trockenen Kräutern. Für deutsche Gaumen ist die Nähe zum Spätburgunder offensichtlich, nur dass hier die Sonne härter und die Nächte auf 1.400 Metern kälter sind, was den Weinen eine Spannung gibt, die man aus guten Jahrgängen von der Ahr kennt.
Der Weißwein, den Sie suchen sollten, heißt Voskehat, wörtlich goldener Kern. Eine alte Sorte mit Quitte, Textur und genug Säure zum Reifen. Riesling-Trinker fühlen sich hier schneller zu Hause, als sie erwarten, auch wenn Voskehat runder und weniger zitrisch ausfällt. Dazu kommen Khndoghni und alte gemischte Sätze, die nie einen Namen bekommen haben.
Weingüter im Tal, die Besuch empfangen, sind unter anderem Hin Areni, Trinity Canyon Vineyards, Old Bridge Winery und Momik Wines. Zorah, das in vergrabenen Tonamphoren, den sogenannten Karas, vergärt und ausbaut, liegt weiter oben bei Rind. Manche haben einen richtigen Verkostungsraum mit Terrasse, andere bestehen aus einem Kellergewölbe und einem Tisch. Rechnen Sie 2026 mit etwa 7 bis 20 Euro pro Person für eine Probe, oft angerechnet beim Flaschenkauf. Eine sehr gute Flasche ab Hof kostet ungefähr 10 bis 30 Euro. Details zu Rebsorten und Regionen in unserem Guide zu armenischem Wein.

So bauen Sie den Tag auf
- 09:00 Abfahrt in Jerewan.
- 09:45 Khor Virap, 30 Kilometer südlich, mit dem Ararat direkt dahinter. Vierzig Minuten genügen.
- 11:30 Noravank. Etwa eineinviertel Stunden, mehr, wenn Sie die Treppe nehmen und den Rücken hinter dem Kloster hochlaufen.
- 13:00 Mittagessen in Areni oder auf einem Weingut. Mit Voranmeldung wird fast überall gekocht.
- 14:30 Höhle Areni-1.
- 15:15 Ein oder zwei Weingüter. Drei sind Hetze.
- 18:00 Zurück in Jerewan oder weiter Richtung Süden.
Die Straßen sind gut, die Polizei höflich, aber konsequent bei Tempolimits. Wer verkostet, braucht einen Fahrer, und das ist das ehrliche Argument für eine geführte Tour: jemand anders fährt und ruft vorher in den Kellern an. Unsere Tour Khor Virap, Areni und Noravank fährt genau diese Route. Mit der Marschrutka kommen Sie bis Areni, aber nicht in die Schlucht hinauf; ein Taxi ab Dorf kostet mit Wartezeit rund 12 bis 20 Euro. Mehr dazu unter Fortbewegung in Armenien.
Wann fahren
Ende Mai und Juni bringen grüne Hänge, Mohnfelder und angenehme Temperaturen. Im Juli und August wird es im Tal über 35 Grad heiß und das Licht am Kloster ist mittags flach, also früh losfahren. Am schönsten sind Ende September und Oktober: die Lese läuft, die Keller sind voll und gesprächig, die Pappeln färben sich. Das Areni-Weinfest findet üblicherweise Anfang Oktober im Dorf statt, mit Dutzenden Hausweinmachern und mehreren tausend Gästen. Prüfen Sie das genaue Datum, bevor Sie die Reise danach planen. Eine Übersicht aller Jahreszeiten steht in unserem Beitrag zur besten Reisezeit für Armenien.
Praktisches
- Noravank kostet keinen Eintritt. Eine Spende am Kerzenstand ist üblich.
- Schultern und Knie in den Kirchen bedecken. Ein Kopftuch ist in der Armenisch-Apostolischen Kirche nicht nötig.
- Bargeld in Dram ist an der Höhle und im Dorf nützlich, Weingüter akzeptieren meist Karte.
- Am Parkplatz von Noravank gibt es ein Café und einen Laden, entlang der Fernstraße bei Areni einfache Restaurants.
- Wasser mitnehmen. Das Tal ist trocken und am Kloster gibt es kaum Schatten.
Wenn ein Tag nicht reicht
Vayots Dzor trägt einen zweiten Tag mühelos. Jeghegnadsor hat ein kleines Museum und gute Bäckereien, die Klöster Arates und Spitakavor liegen in Seitentälern, in die kaum jemand abbiegt, und Jermuk mit seinen Mineralquellen und dem Wasserfall ist eine Stunde entfernt. Weiter südlich warten Goris, Tatev und die Seilbahn, die natürliche Fortsetzung, die wir im Südarmenien-Roadtrip und unter Tagesausflüge ab Jerewan beschreiben.
Was Besucher hier falsch machen
Vier Fehler sehen wir immer wieder, und alle vier sind leicht zu vermeiden.
- Zur Mittagszeit kommen. Zwischen zwölf und drei steht die Sonne senkrecht über der Schlucht, der Fels verliert seine Farbe und das Kloster wirkt flach. Frühmorgens oder ab dem späten Nachmittag glüht das Gestein regelrecht.
- Nur zwanzig Minuten einplanen. Wer aussteigt, fotografiert und wieder einsteigt, hat Noravank nicht gesehen. Die Reliefs brauchen Zeit, und der kurze Anstieg auf den Rücken hinter dem Kloster dauert zehn Minuten und liefert den Blick, den kaum jemand mitnimmt.
- Annehmen, die Weingüter hätten geöffnet. Ohne Anmeldung stehen Sie in Vayots Dzor öfter vor verschlossenen Türen, als Ihnen lieb ist.
- Nichts essen. Zwischen Kloster und Keller liegt ein langes Mittagsloch, und im Tal gibt es keine Tankstellenkette, die das auffängt. Reservieren Sie ein Essen oder nehmen Sie Brot, Käse und Obst mit.
Licht, Farben und Fotografie
Die Felsen der Amaghu-Schlucht bestehen aus eisenhaltigem Kalkstein, und genau dieses Eisen erzeugt das Rot. Es reagiert stärker auf Licht als normales Gestein: bei bedecktem Himmel wirkt alles bräunlich und stumpf, in der ersten und letzten Stunde des Tages orange bis fast scharlachrot. Das Kloster selbst ist aus demselben Stein gebaut, weshalb Gebäude und Hintergrund je nach Tageszeit ineinander verschwimmen oder sich klar abheben.
Praktisch heißt das: Weitwinkel für den Blick aus dem Kessel, ein längeres Objektiv für die Reliefs am Portal, die von unten stark verkürzt erscheinen. Im Inneren der Kirchen ist es dunkel, Stativ meist unnötig, wenn Sie die Kamera an eine Säule lehnen. Während eines Gottesdienstes fotografiert man nicht, und mit Blitz ohnehin nie.
Wir sind ein kleiner Veranstalter aus Jerewan und fahren dieses Tal fast jede Woche. Wenn Sie das Kloster früh, ein Mittagessen unter Weinlaub und zwei Keller wollen, die wirklich aufmachen, schauen Sie sich unsere Touren an oder schreiben Sie uns einfach, was Sie trinken möchten.
Häufig gestellte Fragen
Wie weit ist Noravank von Jerewan entfernt?
Noravank liegt rund 120 Kilometer südlich von Jerewan, die Fahrt dauert zwei bis zweieinhalb Stunden. Sie folgen der Fernstraße M2 an Khor Virap und Areni vorbei und biegen dann auf eine schmale, acht Kilometer lange Straße in die Amaghu-Schlucht ab. Dieser letzte Abschnitt ist asphaltiert und auch mit einem normalen Mietwagen problemlos zu fahren.
Lohnt sich die Höhle Areni-1 wirklich?
Für Weininteressierte ja. Hier fanden Archäologen die älteste bekannte Weinkellerei der Welt, etwa 6.100 Jahre alt, samt Kelterfläche, Gärgefäßen und Traubenkernen. Die Höhle selbst ist schlicht und der Besuch dauert zwanzig bis dreißig Minuten, also ein kurzer, aber sinnvoller Stopp und keine große Museumsinszenierung.
Muss man Weinproben in Vayots Dzor vorher buchen?
Bei den kleinen Gütern unbedingt. Viele sind Familienbetriebe ohne feste Öffnungszeiten und öffnen den Verkostungsraum nur, wenn Besuch angekündigt ist. Schreiben Sie ein bis zwei Tage vorher eine E-Mail oder Nachricht, besonders außerhalb der Erntezeit im September und Oktober.
Wie schmeckt Areni Noir im Vergleich zu deutschen Rotweinen?
Areni Noir ist hell in der Farbe, dünnhäutig und säurebetont, mit Sauerkirsche, getrockneten Kräutern und einer staubigen Mineralität. Wer Spätburgunder aus Baden oder der Pfalz mag, findet sich sofort zurecht. Barrique braucht dieser Wein kaum, die besten Flaschen kommen mit sehr wenig Holz aus.

