Ein Südarmenien Roadtrip führt nach Sjunik, den langen Gebirgsauslauf zwischen Jerewan und dem Iran. In drei bis fünf Tagen fahren Sie über die M2 zu den Steinreihen von Sorakarer, nach Goris, steigen ins Höhlendorf Chndsoresk hinunter, schweben mit der Seilbahn über die Worotan-Schlucht nach Tatew und können weiter über die Pässe nach Kapan und Meghri.
| Auf einen Blick | Angabe |
|---|---|
| Jerewan nach Goris | rund 250 km, 4 bis 4,5 Stunden auf der M2 |
| Goris nach Kapan | rund 65 km, aber 1,5 Stunden, durchgehend Serpentinen |
| Kapan nach Meghri | rund 75 km, 2 Stunden über einen Pass auf etwa 2.500 m |
| Beste Zeit | Mai bis Oktober; Pässe im Winter kurzzeitig gesperrt |
| Mindestdauer | 3 Tage, 5 Tage mit Meghri |
| Mietwagen | Pkw reicht für die Hauptziele, mehr Bodenfreiheit für Schluchtenpisten |
| Tanken | Sissian, Goris, Kapan, Meghri; vor Bergetappen volltanken |
Warum sich der Weg lohnt
Die meisten Armenien-Reisenden bleiben in einem Dreieck von zwei Fahrstunden um Jerewan. Sjunik ist das, was passiert, wenn man dieses Dreieck verlässt. Das Hochland bricht in Schluchten von tausend Metern Tiefe ab, Dörfer kleben auf Simsen, Klöster stehen dort, wo kein vernünftiger Mensch baut, und die Luft riecht nach Wacholder und heißem Stein.
Der Preis dafür sind Entfernungen. Das ist eine Fahrtenreise, und die Straße hat es nicht eilig. Kalkulieren Sie großzügig, versuchen Sie Meghri nicht an einem Wochenende, und rechnen Sie damit, dass armenische Bergstraßen Kilometer in Stunden umrechnen. Wer die Großglockner-Hochalpenstraße kennt, hat die richtige Vorstellung von Kurvendichte, nur ohne Leitplanken und ohne Souvenirstand.
Tag eins: Jerewan nach Goris
Die M2 nach Süden ist für die Region eine gute Straße: zweispurig, überwiegend glatt, mit drei längeren Steigungen. Teilen Sie die Fahrt bewusst auf, statt durchzuziehen.
Areni und Noravank
Neunzig Minuten nach Jerewan liegt das Weindorf Areni und dahinter die rote Schlucht mit dem Kloster Noravank. Selbst wer es kennt, sollte abbiegen, allein wegen des Lichts am späten Nachmittag. Details stehen in unserem Beitrag zur Weinregion Areni und Noravank, gefahren wird derselbe Abschnitt bei unserer Tour Chor Virap, Areni und Noravank.
Sorakarer, das armenische Stonehenge
Kurz vor Sissian steht ein Feld mit etwa 220 aufrechten Basaltsteinen, viele davon mit glatt geschliffenen Durchbohrungen. Einheimische nennen es Karahundsch, Reiseführer sprechen vom armenischen Stonehenge, und die Fachwelt streitet über fast alles davon. Die astronomischen Deutungen sind umstritten, die Datierung unsicher, also nehmen Sie selbstbewusste Tafeln mit Vorsicht. Als Ort bleibt es großartig: Wind, Gras, dunkle Steine, kein Zaun, kaum Menschen.
Schaki-Wasserfall
Ein kurzer Abstecher ab Sissian, 18 m hoch, im Frühsommer kräftig, später im Jahr oft nur ein Rinnsal, weil Wasser für ein kleines Kraftwerk abgeleitet wird. Im Juni zehn Minuten wert, im September verzichtbar.

Goris als Standquartier
Goris ist der angenehmste Ort im Süden. Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert auf einem Raster angelegt, was in Armenien selten ist, und liegt in einem Kessel voller erodierter Felsnadeln, den die Leute Steinwald nennen. Die alten Häuser sind aus Quaderstein mit Holzbalkonen, in den Straßen stehen Maulbeerbäume, und der lokale Maulbeerschnaps sollte mit Respekt behandelt werden.
Praktisch gesehen hat Goris die beste Auswahl an Gästehäusern in Sjunik, mehrere gute Restaurants, Geldautomaten und Tankstellen. Bleiben Sie hier zwei Nächte und fahren Sie sternförmig, statt jeden Tag das Quartier zu wechseln.
Chndsoresk: das Höhlendorf
Acht Kilometer östlich von Goris steckt das alte Chndsoresk im weichen Gestein einer Schlucht: Hunderte Höhlen auf mehreren Ebenen, teils noch als Stall genutzt, verbunden durch Pfade und eine 2012 gebaute Hängebrücke von rund 160 m Länge. Bewohnt war das Dorf bis in die 1950er Jahre, dann siedelte die Sowjetverwaltung alle auf die Hochfläche um.
Zwei Hinweise. Erstens ist es steil: Vom Parkplatz zur Brücke und zurück sind es etwa 200 Höhenmeter, also früh oder spät gehen und Wasser mitnehmen. Zweitens ist die Schlucht morgens still und ab elf Uhr voller Reisegruppen. Wer um acht dort ist, hat sie fast für sich.
Tatew und die Seilbahn Wings of Tatev
Das im 9. Jahrhundert gegründete Kloster Tatew steht auf einer Felsnase über der Worotan-Schlucht und war einst eine Universität mit Hunderten Mönchen und Schreibern. Es ist das eindrucksvollste Bauwerk Südarmeniens, und der Weg dorthin steht dem kaum nach.
Die Seilbahn Wings of Tatev überspannt 5,7 km von Halidsor über die Schlucht und gilt als längste Pendelseilbahn der Welt. Die Fahrt dauert etwa zwölf Minuten, und in der Mitte, mehrere hundert Meter über dem Fluss, wird selbst eine laute Reisegruppe still. Rechnen Sie 2026 mit ungefähr 8 bis 12 Euro pro Erwachsenem hin und zurück und prüfen Sie die Betriebstage, denn einmal im Jahr steht die Bahn für Wartung still, meist außerhalb der Hochsaison.
Die Alternative ist die alte Straße hinunter in die Schlucht und wieder hinauf: rund 40 Minuten ernsthafte Serpentinen je Richtung, ein Vergnügen für Fahrer, eine Zumutung für alle anderen. Unterwegs liegt die Teufelsbrücke, ein natürlicher Sinterbogen über dem Worotan mit warmen Mineralbecken darunter. Zeiten und Tickets stehen in unserem Beitrag zu Kloster Tatew und der Seilbahn, bequem geht es mit unserer zweitägigen Tatew-Tour.

Kapan und der Chustup
Südlich von Goris hört die Fernstraße auf und es beginnt echte Bergstraße. Kapan, die größte Stadt Sjuniks, liegt in einem engen Tal unter dem Chustup, einer 3.201 m hohen Pyramide, die jeden Blick in der Stadt beherrscht. Kapan ist eine Bergbaustadt und nicht hübsch, aber die Lage ist spektakulär und die Basis für den tiefen Süden stimmt.
Von hier führen Wege in den Sangesur-Kamm, das Kloster Wahanawank liegt direkt vor der Stadt, und eine kleine Seilbahn bringt Sie an den Talhang. Bergsteiger nehmen sich den Chustup vor, acht bis zehn Stunden für Auf- und Abstieg; beschrieben ist er in unserem Text zum Wandern in Armenien.
Meghri und der äußerste Süden
Meghri liegt auf 600 m, mehr als tausend Meter tiefer als Kapan, in einer Warmluftnische, in der Granatäpfel, Feigen und Kakis wachsen. Dorthin führt der Meghri-Pass auf etwa 2.500 m, ein langer Anstieg und eine noch längere Abfahrt mit Blick ins Arakstal und nach Iran hinüber.
Die Altstadt von Meghri ist wirklich schön: Flachdachhäuser, enge Gassen und drei Kirchen aus dem 17. Jahrhundert mit bemalten Innenräumen, von denen Surb Howhannes die eindrucksvollste ist. Ausländische Besucher kommen praktisch nie so weit. Wer fünf Tage hat, verbringt einen davon besser hier als bei einem weiteren Kloster im Norden.
Straßen, Grenznähe und ehrliche Einordnung
Die M2 ist die Lebensader des Südens und trägt täglich den Güterverkehr von und nach Iran. Sie wird stark befahren, und Reisende nutzen sie die ganze Saison über. Einzelne Abschnitte im Südosten verlaufen grenznah, und die praktische Lage auf bestimmten Stücken hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach geändert. Umfahrungen wurden gebaut und ausgebaut.
Für Sie heißt das schlicht: Fragen Sie vor Ort am Morgen der Fahrt. Das Gästehaus in Goris oder Kapan, ein einheimischer Fahrer oder die Touristeninformation sagt Ihnen genau, welche Route in dieser Woche genutzt wird. Verlassen Sie sich für diese eine Frage nicht auf einen Artikel, der Monate vorher geschrieben wurde, auch nicht auf diesen. Alles andere hier, die Ziele, die Entfernungen, die Jahreszeiten, ist stabil.
Weitere Praxispunkte:
- In Sissian, Goris oder Kapan tanken. Zwischen den Bergabschnitten liegen lange Lücken.
- In den Schluchten bricht der Mobilfunk weg. Offline-Karten laden.
- Im Winter gehören Winterreifen und ein Puffertag dazu, Schnee kann einen Pass für einen Tag schließen.
- Vieh auf der Fahrbahn ist normal. Fahren Sie so, als stünde hinter jeder Kurve eine Kuh.
- Mietwagen, Versicherung und Selbstbeteiligung erklären wir unter Fortbewegung in Armenien.
Wir fahren diese Route regelmäßig mit eigenen Fahrern, die in Sjunik aufgewachsen sind und wissen, welche Straße heute genutzt wird. Wenn Sie lieber aus dem Fenster schauen als auf Serpentinen, finden Sie die Etappe in unseren Touren.
Fünf Tage, die funktionieren
- Tag 1. Jerewan nach Goris über Areni, Noravank und Sorakarer. Übernachtung Goris.
- Tag 2. Frühmorgens Chndsoresk, nachmittags Tatew mit der Seilbahn, Rückweg über die Teufelsbrücke. Übernachtung Goris.
- Tag 3. Goris nach Kapan, Wahanawank, nachmittags Spaziergang unter dem Chustup. Übernachtung Kapan.
- Tag 4. Über den Pass nach Meghri, Altstadt und Kirchen. Übernachtung Meghri.
- Tag 5. Lange Rückfahrt nach Jerewan oder weiter Richtung Sewansee.
Bei nur drei Tagen streichen Sie Kapan und Meghri und geben die Zeit an Tatew und Chndsoresk, statt fünf Ziele zu hetzen. Wie sich das in eine Rundreise einfügt, steht in unserer Armenien Rundreise in 10 Tagen.
Unterkunft und Essen
Erwarten Sie familiengeführte Gästehäuser statt Hotels, 2026 etwa 25 bis 50 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück, in Goris für die wenigen gehobenen Häuser etwas mehr. Das Abendessen im Haus ist meist das beste Essen am Ort und kostet rund 8 bis 15 Euro pro Person, dazu kommt mehr, als vier Personen schaffen. Sagen Sie zu. In Sjunik kommt das Essen aus dem Garten hinter dem Haus, und das Gespräch, das damit an den Tisch kommt, ist der eigentliche Grund, so weit nach Süden zu fahren.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage braucht ein Südarmenien Roadtrip?
Drei Tage reichen für Goris, Chndsoresk und Tatew in vernünftigem Tempo. Fünf Tage erlauben zusätzlich Kapan und den Meghri-Pass, ohne im Dunkeln zu fahren. Unter drei Tagen wird es eine Hetzpartie, denn allein Jerewan nach Goris dauert vier bis viereinhalb Stunden pro Richtung.
Welches Auto braucht man für Sjunik?
Für die Hauptstraße M2, Goris, Tatew und die Seilbahn genügt ein normaler Pkw. Mehr Bodenfreiheit hilft auf der alten Schluchtenstraße nach Tatew, auf den Pisten bei Chndsoresk und nach Regen auf Dorfwegen. Allrad ist nur bei geplanten Schotterrouten oder zwischen November und März wirklich nötig.
Wie sind die Straßen und die Lage an der Grenze?
Die M2 ist die Hauptachse und wird täglich von armenischen Fahrern und vom Iran-Güterverkehr genutzt, Reisende fahren sie die ganze Saison. Einzelne Abschnitte im Südosten verlaufen grenznah, und die Lage dort kann sich ändern. Fragen Sie am Morgen der Fahrt im Gästehaus oder im Tourismusbüro in Goris oder Kapan nach der aktuell genutzten Route.
Geht der Süden auch ohne eigenes Auto?
Ja, aber es kostet Zeit. Marschrutkas fahren täglich von Jerewan nach Goris und Kapan, meist morgens, dazu kommen Sammeltaxis. Vor Ort braucht man für Chndsoresk und Tatew trotzdem ein Taxi, was unkompliziert und günstig ist. Die meisten nehmen für die Südetappe einen Mietwagen oder einen Fahrer.

