Die wichtigsten Jerewan Sehenswürdigkeiten lassen sich in zwei bis drei entspannten Tagen erlaufen: die Kaskade im Morgenlicht, tausend Jahre alte Handschriften im Matenadaran, der Vernissage-Markt am Wochenende und abends ein Glas Wein in der Sarjan-Straße. Armeniens Hauptstadt ist klein, rosafarben und angenehm überschaubar, und sie belohnt alle, die sich Zeit lassen.
| Auf einen Blick | Jerewan |
|---|---|
| Aufenthaltsdauer | 2 bis 3 Tage in der Stadt, mehr als Basis für Ausflüge |
| Beste Reisezeit | Mai bis Juni, September bis Oktober |
| Anreise | Direktflüge ab Frankfurt, München, Berlin und Wien, rund 4 Stunden |
| Währung | Armenischer Dram (AMD), etwa 420 bis 450 AMD je Euro |
| Vor Ort | Zu Fuß, Metro (Einheitspreis gut 0,20 Euro), Taxi-Apps |
| Visum | Für deutsche Staatsangehörige nicht erforderlich |
Eine Stadt, die man in einer halben Stunde versteht
Jerewan wurde in den 1920er und 1930er Jahren nach den Plänen des Architekten Alexander Tamanjan praktisch neu gebaut. Im Zentrum liegt der Platz der Republik, darum herum ein Ringboulevard, und aus diesem Ring steigt die Kaskade nach Norden den Hügel hinauf. Fast alles, was Sie sehen wollen, liegt innerhalb dieses Rings im Bezirk Kentron. Wer sich einmal an dieser Ordnung orientiert hat, verläuft sich hier nicht mehr.
Auffällig ist das Baumaterial. Jerewan besteht weitgehend aus Tuff, einem vulkanischen Gestein in Rosa, Aprikose und gelegentlich Schwarz. Das Zentrum wechselt im Tagesverlauf die Farbe: morgens blassrosa, am späten Nachmittag kräftig orange. Das erklärt, warum viele Besucher dieselben Straßen dreimal ablaufen, ohne es zu merken.
Wenn Armenien für Sie neu ist, gibt unser Armenien Reise-Guide den Überblick über Routen, Jahreszeiten und Budget.
Die Kaskade: früh aufstehen lohnt sich
Die Kaskade ist eine gewaltige Treppenanlage mit 572 Stufen, die von der Tamanjan-Straße den Hang hinaufführt. Sie ist Skulpturenpark, Aussichtspunkt und Treffpunkt in einem. Unten liegt der Garten des Cafesjian Center for the Arts, frei zugänglich, mit dem dicken Bronzekater von Fernando Botero und Figuren von Lynn Chadwick zwischen den Wasserbecken. Im Inneren fahren kostenlose Rolltreppen nach oben, auf jeder Ebene hängt zeitgenössische Kunst.
Der praktische Tipp: mit der Rolltreppe hinauf, zu Fuß hinunter. Und gehen Sie früh. Bei Sonnenaufgang haben Sie die Terrassen fast für sich, und an klaren Morgen steht der Ararat am südlichen Horizont, scheinbar zum Greifen nah. Tatsächlich sind es rund 60 Kilometer, hinter einer geschlossenen Grenze in der Türkei. Im Sommer verschwindet der Berg nachmittags fast immer im Dunst, morgens ist die Chance deutlich besser.

Platz der Republik und das Zentrum
Der Platz der Republik ist ein Oval aus Tamanjans Tuffsteinbauten rund um einen großen Brunnen. Auf der Ostseite stehen das Historische Museum und die Nationalgalerie, dazu Regierungsgebäude und das Hauptpostamt. An Sommerabenden laufen ab etwa 21 Uhr die singenden Fontänen, mit Musik und Licht, und die halbe Stadt sitzt am Rand und schaut zu. Kitschig, ja, aber ein sehr armenischer Abend.
Vom Platz aus gehen drei Spaziergänge ab: die Abowjan-Straße nach Norden zur Kaskade, die Amirjan-Straße Richtung Oper, und die kleinen Gassen nach Westen zur Markthalle und weiter hinauf nach Kond.
Matenadaran: das Handschriftenarchiv
Am oberen Ende der Maschtoz-Allee steht das Matenadaran, ein strenger Basaltbau mit der Statue von Mesrop Maschtoz davor, dem Mönch, der 405 nach Christus das armenische Alphabet erfand. Drinnen lagern über 17.000 Handschriften, eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Schriften weltweit.
Gezeigt wird eine wechselnde Auswahl: illuminierte Evangeliare mit Farben aus gemahlenen Insekten und Lapislazuli, medizinische Abhandlungen, Sternkarten. Darunter das Evangeliar von Mush, so schwer, dass zwei Frauen es während des Genozids in zwei Hälften geteilt in Sicherheit trugen. Planen Sie anderthalb Stunden ein. Die Beschriftung ist gut, eine Führung holt aber die Geschichten heraus, die hinter den Vitrinen stecken.
Hier hört Jerewan auf, eine hübsche Kaukasus-Hauptstadt zu sein, und erklärt sich selbst. Das Verhältnis der Armenier zu ihrer Schrift ist nicht akademisch. Es ist der Grund, warum es dieses oft überrannte Volk überhaupt noch gibt.
Vernissage, GUM-Markt und Einkaufen wie die Einheimischen
Der Vernissage-Markt
Der Vernissage ist ein Freiluftmarkt entlang der Hanrapetutjan-Straße, am belebtesten samstags und sonntags. Angeboten werden Teppiche, Chatschkar-Miniaturen, Holzarbeiten aus Aprikosenholz, Silber, sowjetische Kameras, Militärabzeichen, Schachspiele, Schallplatten und Ararat-Gemälde in jeder erdenklichen Wetterlage. Handeln gehört dazu, aber freundlich und ohne Theater. Fragen Sie nach dem Preis, bieten Sie nicht gleich die Hälfte.
Lohnenswert sind handgeknüpfte Teppiche und Schnitzarbeiten. Vorsicht bei allem, was als echte Antiquität angepriesen wird, dafür bräuchten Sie eine Ausfuhrgenehmigung.
GUM-Markt
Der GUM-Markt in der Chorenazi-Straße ist der Lebensmittelmarkt und der beste Ort, um armenisches Essen zu verstehen, bevor man es isst. Wände aus Trockenobst, Stränge von Sudschuch (in Traubenmost getauchte Walnüsse), Fässer mit Eingelegtem, Schafskäse, Maulbeerschnaps in unbeschrifteten Flaschen. Die Händler drücken Ihnen ständig Kostproben in die Hand. Nehmen Sie kleine Scheine mit. Mehr zu den Spezialitäten steht in unserem Beitrag zur armenischen Küche.
Zizernakaberd: die Gedenkstätte für den Völkermord
Auf einem Hügel westlich des Zentrums stehen zwölf geneigte Basaltplatten um eine ewige Flamme, daneben eine 44 Meter hohe, gespaltene Stele. Es ist das Denkmal für die 1,5 Millionen Armenier, die ab 1915 im Osmanischen Reich ermordet wurden. Das in den Hang gebaute Museum ist nüchtern, sehr gut gemacht und schwer auszuhalten. Rechnen Sie mit einer Stunde.
Für deutsche Besucher ist der Ort doppelt interessant, seit der Bundestag 2016 den Genozid als solchen anerkannt hat. Die Rolle des damals mit dem Osmanischen Reich verbündeten Deutschen Reiches wird im Museum ohne Umschweife behandelt. Der Eintritt ist frei. Fahren Sie mit dem Taxi hinauf und gehen Sie zu Fuß zurück, durch den Kiefernhain, den Staatsgäste über Jahrzehnte gepflanzt haben.
Blaue Moschee, Kond und die alten Kirchen
Die Blaue Moschee an der Maschtoz-Allee ist die einzige funktionierende Moschee Armeniens, erbaut in den 1760er Jahren, als Jerewan Hauptstadt eines persischen Khanats war. Ihr Innenhof mit Wasserbecken, Obstbäumen und türkis gekachelter Kuppel ist eine echte Oase mitten an einer lauten Ausfallstraße. Besucher sind außerhalb der Gebetszeiten willkommen, bitte dezent gekleidet.
Nördlich davon liegt Kond, das älteste erhaltene Viertel der Stadt: ein Gewirr niedriger Häuser, bemalter Mauern und Treppen, das die sowjetischen Planer übersehen haben. Es ist schäbig, bewohnt und voller Wandbilder. Gehen Sie respektvoll hindurch, hier wohnen Menschen, das ist keine Kulisse.
Zwischendurch stoßen Sie auf Kirchen, die zwischen den Wohnblocks fast verschwinden: die winzige Katoghike aus dem 13. Jahrhundert, die Sorawor-Kirche in ihrem Hinterhof und die Surb-Sarkis-Kathedrale hoch über der Hrasdan-Schlucht.

Parks, Kaffee und der Rhythmus des Abends
Von April bis Oktober spielt sich das Leben in Jerewan draußen ab. Der Park an der Oper, der Park der Liebenden an der Baghramjan-Allee und der Ringpark entlang der alten Stadtmauerlinie füllen sich ab etwa 18 Uhr mit Familien, Schachspielern und Jugendlichen.
Kaffee ist eine ernste Angelegenheit. Die Sarjan-Straße, oft Weinstraße genannt, ist der naheliegende Startpunkt, die Tumanjan- und die Puschkin-Straße sind voller kleiner Röstereien. Bestellen Sie einen Surdsch, den starken ungefilterten armenischen Kaffee im kleinen Tässchen, und lassen Sie den letzten Zentimeter stehen. Adressen und Viertel finden Sie in unserem Beitrag zu Cafés, Nachtleben und Unterkünften in Jerewan.
Museen, die sich lohnen
- Historisches Museum Armeniens, Platz der Republik. Der 5.500 Jahre alte Lederschuh aus der Areni-Höhle, bronzezeitliche Streitwagen, die ganze Landesgeschichte am Stück. Zwei Stunden.
- Sergej-Paradschanow-Museum, über der Schlucht. Das Hausmuseum des surrealistischen Filmemachers, voller Collagen aus Spitze, kaputten Puppen und Trockenblumen. Klein und wunderbar schräg.
- Cafesjian Center for the Arts, in der Kaskade. Zeitgenössische Kunst und Glas, in den Wechselausstellungen tauchen Chagall und Léger auf.
- Jerewaner Brandy-Fabrik (Ararat), am Siegesbrücken-Hang. Führung mit Verkostung, vorher reservieren.
- Festung Erebuni, im Südosten. Die urartäische Zitadelle von 782 vor Christus, auf die Jerewan sein Gründungsdatum zurückführt. Damit ist die Stadt älter als Rom.
Unterwegs in der Stadt und zwei gut geplante Tage
Gehen Sie zu Fuß, wo immer es geht. Die Metro hat eine Linie und zehn Stationen, fährt von etwa 6.30 bis 23 Uhr und kostet einen Einheitspreis von gut 0,20 Euro. Taxi-Apps wie Yandex Go und GG sind billig und überall verfügbar, eine Fahrt durch das Zentrum kostet meist 1 bis 3 Euro. Für Strecken über die Stadt hinaus hilft unser Beitrag zur Fortbewegung in Armenien.
Tag eins
Kaskade bei Sonnenaufgang, Frühstück in der Tamanjan-Straße, Matenadaran, Mittagessen an der Oper, Platz der Republik und Historisches Museum, abends die singenden Fontänen.
Tag zwei
Vormittags GUM-Markt, danach Zizernakaberd, nachmittags Blaue Moschee und Kond, am Wochenende der Vernissage, abends Sarjan-Straße.
Danach sollten Sie raus aus der Stadt. Garni und Geghard liegen 45 Minuten entfernt, Chor Virap unter dem Ararat eine Stunde südlich, der Sewansee anderthalb Stunden nördlich. Welche Ziele sich gut kombinieren lassen, steht in unserem Überblick zu Tagesausflügen ab Jerewan.
Wir sind ein kleiner Veranstalter aus Jerewan und organisieren Touren für Individual- und Alleinreisende, vom halbtägigen Stadtspaziergang bis zur zweiwöchigen Rundreise. Sehen Sie sich unsere Touren an oder starten Sie am ersten Morgen mit dem Stadtrundgang durch Jerewan.
Praktisches zum Schluss
- Auf Märkten und in kleinen Cafés wird bar bezahlt, sonst funktionieren Karten fast überall. Wechselstuben an der Maschtoz- und Abowjan-Straße bieten bessere Kurse als der Flughafen.
- Das Leitungswasser kommt aus Bergquellen und ist hervorragend. Die öffentlichen Trinkbrunnen, Pulpulak genannt, sind kostenlos und sauber.
- Die meisten Museen haben montags geschlossen.
- Im Juli und August werden es regelmäßig über 35 Grad. Die Einheimischen verschwinden zwischen 13 und 17 Uhr in den Schatten, machen Sie es genauso.
- Trinkgeld ist keine Pflicht, aufrunden oder 10 Prozent im Restaurant sind aber üblich.
Jerewan überfordert nicht so wie eine große Metropole. Nach zwei Tagen fühlt es sich an wie eine Stadt, die man kennt, und genau in dieser Stimmung sollte man in die Berge aufbrechen. Wer nur einen organisierten Ausflug unterbringt, nimmt am besten die Halbtagestour nach Garni und Geghard, die rechtzeitig zum Abendessen zurück ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage sollte man für Jerewan einplanen?
Zwei volle Tage reichen für die Kaskade, den Platz der Republik, das Matenadaran, den Vernissage-Markt und das Genozid-Denkmal. Wer drei Tage bleibt, hat Zeit für ein weiteres Museum und lange Abende in den Cafés. Die meisten Reisenden bleiben vier bis fünf Nächte und nutzen Jerewan als Basis für Tagesausflüge.
Wie kommt man von Deutschland nach Jerewan?
Es gibt Direktflüge ab Frankfurt, München, Berlin und dem nahen Wien nach Jerewan-Swartnoz, Flugzeit rund vier bis viereinhalb Stunden. Lufthansa, Austrian und armenische Gesellschaften wie FlyOne Armenia und Wizz Air bedienen die Strecke, je nach Saison unterschiedlich häufig. Wer flexibel bucht, zahlt 2026 meist zwischen 200 und 400 Euro für den Hin- und Rückflug.
Braucht man als Deutscher ein Visum für Armenien?
Nein. Deutsche Staatsangehörige dürfen visafrei einreisen und sich bis zu 180 Tage im Jahr in Armenien aufhalten. Der Reisepass muss zum Zeitpunkt der Einreise gültig sein. Am Flughafen wird lediglich ein Stempel in den Pass gesetzt, das dauert selten länger als zehn Minuten.
Ist Jerewan teuer?
Deutlich günstiger als deutsche Großstädte. Ein Kaffee kostet 2026 etwa 1,50 bis 2,50 Euro, ein gutes Abendessen mit Wein 15 bis 25 Euro pro Person, ein Taxi quer durch die Innenstadt selten mehr als 3 Euro. Nur importierte Markenware und internationale Hotels liegen auf westeuropäischem Niveau.

